Tonight I can write
the saddest lines.
To think that I do not have her.
To feel that I have lost her.

- Pablo Neruda (excerpt)

05 Apr 2008

Berlin lebt in Angst

Berlin

Da bin ich wieder,…

… nach Monaten der Stille lassen wir den Gedanken mal wieder freien Lauf und gewähren meinem Kopf Urlaub. Mögen die Spiele beginnen,… oder so

Keine Ahnung, ob es Nichtberliner mitbekommen haben, doch die Hauptstadt lebt in Angst und Schrecken. Nachdem die Lokführer Gewerkschaft gezeigt hat, dass man mit Erpressung, Maßlosigkeit und Desinteresse in der Gesellschaft weiter kommt, haben auch die Mitarbeiter der BVG sich entschlossen zusammen getan um mehr Geld für Ihre Leistungen zu erhalten.

Diese sehen für BVG-Kunden wie folgt aus:

  • Das Fahrzeug kommt zu spät, zu früh oder gar nicht (z.B. Busse spät in der Nacht)
  • Die Fahrzeuge sind Morgens schon dreckig
  • Die Mitarbeiter haben keine Servicementalität. Lächeln, Freundlichkeit, Kompetenz, ….
  • Verschlossende Getränke müssen genau wie offene Getränke zurückgelassen werden (Bus 245 sei hier erwähnt)
  • Man wird in der Tür eingeklemmt, weil nach Halten und Türen öffnen werden diese sofort wieder verschlossen, könnte ja jemand einsteigen wollen.
  • Fahrer die anfangen ihre Fahrt zu kommentieren

Ok, dies soll erstmal reichen.

Ich erwähne gleich mal an dieser Stelle, dass ich nicht die BVG allgemein kritisiere sondern die Loyalität der Mitarbeiter gegenüber ihrer Firma und gegenüber ihren Mitmenschen.

Wie stellen die Mitarbeiter dies an? Tja die Symptome sehen wie folgt aus:

  • Mehr Autos sind unterwegs
  • wirtschaftliche Schäden
  • die sowieso schon stark belastete Umwelt wird stärker geschädigt (Autos, frustrauchen, Menschen die über Wiesen laufen)
  • Allgemeine Motivation der Bewohner sinkt
  • Gewalt auf den Strassen nimmt zu
  • Fahrpreiserhöhungsanschreiben der BVG werden an Kunden versendet
  • Sarkasmus auf der BVG Seite: Der Streik wird in der Rubrik Es lebe Berlin angekündigt.

Steht wohl eine Gewerkschaft dahinter. Und so ist es auch. Ver.di hat sich vor die Mitarbeiter der BVG gestellt und versucht nun die Forderungen durchzudrücken. Dies funktioniert nach Mafia-Methoden. Keiner geht arbeiten, wer doch geht bekommt Ärger mit seinen Mitarbeitern. (ja es gab da Vorfälle)

Die Stadt wird lahmgelegt, in der Hoffnung, dass die betroffenen BVG Kunden nicht auf die streikenden Mitarbeiter sauer werden, sondern die Firmenleitung verantwortlich machen.

Nachdem der Streik nun offiziell auf 10 Tage schon mal festgelegt wurde, wurde das Wetter schlechter (mehr Autos, mehr Raucher - klar, oder) und die Mitarbeiter der BVG nun ihre 10 Sonderurlaubstage fröhlich antreten konnten nahmen die Einwohner Berlins ihr Schicksal hin. Schon der erste Tag lies den Eindruck entstehen, dass der Streik nun schon für länger Zeit unsere geliebte Stadt lahmlegt.

BTW: auch bei World of Warcraft sind Gewerkschaftler nicht gern gesehen

Gewerkschafter in WoW

Die S-Bahnen waren völlig überfüllt und die Stimmung am Boden. Letzteres lag wahrscheinlich daran, dass die Firmen ihren Mitarbeitern klar gemacht haben, dass die Einschränkungen im Öffentlichem-Nahverkehr kein Grund ist zu spät zur Arbeit zu erscheinen. Folglich wurden viele Berliner quasi über Nacht krank. Leider nicht so viele, dass die Strassen nicht überfüllt waren. Das Ärzte-Haus bei mir um die Ecke wurde jedenfalls von kranken Arbeitnehmern belagert, die alle einen gelben Urlaubsschein haben wollten, um die schweren Zeiten halbwegs überstehen zu können.

Der Rest versuchte sich mit der Situation abzufinden. Für viele Menschen gab es plötzlich neue Erkenntnisse:

  • Man hat definitiv zu wenige Freunde und Bekannte mit einem Auto
  • Berlin ist groß und man kommt nicht überall mit der S-Bahn hin
  • Ein Fahrrad wäre schön
  • Zum Arbeitsplatz ist es ein weiter Fußweg
  • Im Winter ist es trotz globaler Erwärmung kalt

Die Angestellten der BVG hofften, dass der Frust der Berliner sich auf die BVG entladen würde, doch stattdessen wussten die Berliner wem sie danken können. Eben den Streikenden. Jene Mitbürger, welche diese 10 Tage gar nicht so schrecklich fanden, da sie keine Probleme hatten zur Arbeit zu kommen. Ja - 10 weitere Urlaubstage sind schon nett.

Derzeit streiken unsere Freunde von der BVG nicht. Doch sie drohen beinahe täglich damit. Man möchte einen, das die BVG-Angestellten so verzweifelt sind, mag einen reellen Grund haben, doch weit gefehlt. Das Firmen sich weigern die steigenden Gewinne mit ihren Angestellten zu teilen ist allgemein bekannt. Allein mein Arbeitgeber erfreut sich jedes Jahr über die erwirtschafteten Millionen, die in den gierigen kleinen Händen der Unternehmensleitung und der Aktionäre verschwinden, letztere würden einer Gehaltserhöhung auch nie zustimmen, da die Rendite der Aktien pro Stück ja um 3 Cent sinken könnte wenn wir alle 200 Euro mehr pro Monat haben. Ich vermute, dass ich dann motivierter arbeiten würde, und die Aktie ein wenig mehr an Wert gewinnen könnte. Jaja - ich hasse Aktionäre. Ich wünschte, sie verlieren alles und müssen in einer AG arbeiten. Egal - dies sind Eventualitäten und man sollte nie hoffen, dass Menschen in leitenden Positionen denken können. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.

Zurück zu BVG. In den 10 Tagen haben die Einwohner Berlins viel über die BVG gelernt. Das wohl wichtigste ist, das sie viel mehr verdienen als der große Teil Berliner, der nun jeden Tag zur Arbeit laufen musste. Und die trotz Abo. Ich nenne dies nicht erbrachte Leistung. Allein ein Neueinsteiger verdient fast 40% mehr pro Monat. Ich vermute, davon muss dieser nicht einmal sein Ticket jeden Monat zahlen. Alles andere ist wohl auch nicht so schlecht. Zumindest gibt es nicht viel mehr, was die Streikenden verlangen. Das Übliche halt: Weniger Arbeiten - mehr Geld.

Komisch, würden wir unseren Kunden weniger Leistung anbieten und dafür mehr Geld verlangen hätten wir weit weniger Kunden als jetzt.

Ich empfehle der BVG folgendes vorgehen:

  • Macht ein realistisches Angebot. (wurde schon mehrmals getan)
  • Gebt ein wenig mehr und verlangt dafür mehr - glaubt mir, die Kunden würden sich freuen plötzlich wie ein zahlender Kunde behandelt zu werden und nicht wie ein störendes Subjekt bzw der Grund weshalb der Mitarbeiter aufstehen musste. Jedes andere Unternehmen kann sich so ein Verhalten nicht leisten. Beispiele für dieses Verhalten gibt es genügend: Busfahrer, Ticketverkäufer, Kontrolleure (diese vermitteln jeden das Gefühl ein Verbrecher zu sein und dies trotz Fahrkarte
  • wird dies abgelehnt verlangt mit den Mitarbeitern zu verhandeln unter Ausschluss von ver.di (wobei: diese würde ich schon vorher ausschließen)
  • Bringt dies auch nichts, solltet ihr aufhören euch erpressen zu lassen. Ganz nach dem Motto: “Mit Terroristen verhandelt man”nicht würde ich das Angebot im Bezug Gehalt geringer gestallten. Ganz klar, wenn kein entgegenkommen ist, muss man neue Wege bestreiten.
  • Sollte tatsächlich noch keine Lösung gefunden worden sein, würde ich das Angebot so lassen, dafür aber mehr Gegenleistung verlangen.

Vermutlich ist die Gegenseite nun bereit ernsthaft zu verhandeln. Bitte schreibt mir, wenn ihr diesen Weg probiert und wie es ausgegangen ist.

Bleibt die Frage:

Was ist rechtmäßiger Arbeitskampf und warum darf sich der Arbeitgeber nicht wehren?
Warum kommen die Mitarbeiter mit Erpressung an ihr Ziel? http://tarif-oed.verdi.de/tarifrunden/oed-tarifrunde_2008/tarifeinigung

Warum müssen Berliner, die nicht streiken können/dürfen dafür bluten? Immerhin sollte den gehässigen Mitarbeitern der BVG bewusst sein, das sie zu den wenigen Berufsgruppen gehören, die hin uind wieder mehr Geld erhalten. Der große Rest lebt noch immer mit einem Gehalt weit unter dem der Gelben Terroristen. Neben Vermietern, Gas, Strom und Supermärkten ist die BVG nun einer der größten Bedrohungen für das Konto geworden und ein klasse Wegweiser zum sozialem Abstieg.

Ich Danke euch.

  

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This entry was posted on Samstag, April 5th, 2008 at 12:14 and is filed under Berlin. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

One Response to “Berlin lebt in Angst”

  1. See my profile on MyBlogLog.com!

    Bin gestern nach ewigen Zeiten mal wieder Bus gefahren…mit Kinderwagen. Kann deine Erfahrungen ignoranter Busfahrer nur bestätigen. Die Frau nach mir durfte nicht mehr aussteigen, so nach dem Motto “zu ist zu”. *kopfschüttl*

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