17 Jan 2007
Dunkelheit
Er war gerade auf dem nach Haus. Die Lichter der Laternen tauchen die Strasse in ein Zwielicht, so dass die Schatten noch viel dunkler wirken. Sein Blick konnte die Dunkelheit nicht durchdringen. Wie immer hatte er auch heute ein mulmiges Gefühl in der Magengegend. Seit seiner Kindheit ist ihm die Nacht ein Gräuel. In jener Nacht, tief in seiner Vergangenheit, verschwand sein Bruder. Doch wie dies geschah wusste er nicht. Seine Eltern, die Polizei und verschiedene Ärzte hatten Monatelang versucht das Verschwinden seines Bruders zu klären.
Die Brüder waren gerade auf dem Rückweg von ihren Großeltern, die nur eine Querstraße entfernt wohnten. In der Strasse, die ähnlich aussah wie diese musste es dann passiert sein. Alles ging furchtbar schnell. Eben noch scherzen die beiden herum und im nächsten Moment war Jerry allein in der Dunkelheit. Verwirrt fing der damals 8 Jährige an zu weinen. Nur ein Handschuh wurde gefunden. Keine Spuren, nichts. Jerry hatte damals aufgehört zu reden, was die Trauer der Eltern noch verstärkte. Nichts half. Sie verreisten damals viel. Versuchten verschiedene Therapien, erfüllten ihm seine Wünsche, die er bis zu diesem Tage gestellt hatte. Doch es half alles nichts. Damals war seine Angst vor der Dunkelheit so groß, dass er sobald es Dunkel wurde in Panik verfiel. Schafften es die Eltern nicht, rechtzeitig mit ihm nach Haus zu kommen, verfiel er in eine Art Starre. Mit den Jahren wurde die Situation im Hause der Familie immer schwieriger. Die Eltern liebten ihren Sohn über alles, doch konnten sie die Situation nicht mehr ertragen. Besonders der Vater kam damit nicht mehr klar.
Doch eines Tages änderte sich alles. Jerrys erstes Wort war:”Kino”. Die Eltern waren nicht sicher, ob das Kino die richtige Umgebung für Jerry sei, weil es dort ja dunkel ist, doch wollten sie ihn ihn nicht enttäuschen. Immerhin war dies das erste Wort seit 5 Jahren. Sogar genau seit 5 Jahren. Die Eltern waren ratlos. Schmerz und Freude machten die Entscheidung nicht gerade einfach. Da es Winter ist, konnten sie auch nicht in ein Autokino. Während die sich beratschlagten blickte Jerry die beiden unverwandt an. Und in seinen Augen konnten die Eltern die Bitte ganz deutlich lesen. Unter Versprechungen ihn sofort nach Haus zu bringen, sobald er Angst hätte wagten sie einen Versuch. Für Jerry war es der schwerste Tag seines Lebens. 5 Jahre sind verflossen und er hat sie verpasst. Nach dieser langen Zeit hatte sich sein Bewusstsein wieder an die Oberfläche gekämpft. Und nun hatte er den Wunsch wieder zu leben. Jerry zitterte während sie sich auf dem Weg zum Kino machten. Er wusste, dort würde es dunkel sein. Die Eltern waren zwar noch immer gespalten, doch freuten sie sich über das “Erwachen” ihres Sohnes. Ja, der Tag war hart. Jerry erinnert sich noch genau an diesen Tag. Er schafft es bin zu Hälfte des Filmes. Dann gingen sie nach Haus. Die Eltern waren überglücklich. Von diesem Tage an wurde es jeden Tag ein wenig leichter wieder am Leben teilzunehmen. Bald ging er wieder zur Schule. Und er lernte schnell. Nie würde er die anderen in seinem Alter einholen, doch dies störte weder ihn noch seine Eltern. Sie wussten, was er leistete. Tag für Tag. Klar die Polizei meldete sich bald, doch sein Gedächtnis blieb leer.
Heute ist Jerry 23. Die Nacht ist 15 Jahre her. Und gerade heute schaffte er es nicht diese Strasse entlang zu gehen. Sein Kopf verweigerte ihm einfach die Kontrolle über seine Beine wider zugewinnen. Mit Erschrecken nahm er seine Umgebung war. Es war jene Strasse. Jene Strasse, die ihm seinen Bruder und 5 Jahre seines Lebens nahm. Angstschweiß stand ihm auf der Stirn. Sein Körper fing an zu zittern. Er fror und schwitzte zu gleich. Seine Hände krallten sich an die Laterne. Seine Beine knickten ein. Jerry landete hart auf seinen Knien. Den Schmerz nahm er nicht war. In Jerrys Kopf fing alles an zu drehen. Seine Augen waren völlig überanstrengt. Und dann sah er den Schatten. Innerhalb der Dunkelheit bewegte sich ein Schatten. Außerhalb des Lichtkegels verdichtete sich die Dunkelheit. Der Schatten schluckte alles Licht. Er wartete. Und Jerry erinnerte sich.
Denny sah es damals als erstes. Das schwarze Wesen, das in der Dunkelheit lauerte. Gerade als Denny den Lichtkegel der Straßenlaterne verließ wurde er von dem Wesen verschlungen. Und obwohl es aussah, als bestünde es nur aus Schatten, hörte er doch wie sein Bruder unter unglaublichen Schmerzen schrie. Die Schreie drangen zwar nur gedämpft zu Jerry, doch war die Verzweiflung und der Schmerz nicht zu überhören. Und gerade als Jerry dachte nun könne es nicht mehr schlimmer werden, hörte er das Geräusch von zerberstenden Knochen. Und dann Dunkelheit. Jerrys Kopf hatte entschieden nichts mehr wahrzunehmen.
Nun kniete Jerry in seinem Lichtkegel und erinnerte sich an alles was damals geschah. Sein Mund öffnete sich zu einem Schrei. Doch der wurde nie ausgestoßen. Die Dunkelheit ließ die Lampe erlöschen und nahm Denny in sich auf. Die Bäume waren die einzigen Zeugen der Grausamkeit die dort geschah.
(c) Bojar Oliver B. de la Transilvanea / blue-matrix
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